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Kosemitz (Kozmice) |
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Das niederschlesische Dorf Kosemitz gehörte zum Kreis Frankenstein und heißt heute polnisch Kozmice. Es ist eine Ansammlung von Häusern, die sich um ein ehemaliges Rittergut gruppieren.
In einem Buch von 1786 heißt es: In dem Herzogtum Münsterberg in Schlesien, nicht weit von der Stadt Nimptsch, liegt das Dorf Kosemitz. Die Gegend ist größtenteils eben mit einigen Bergen oder eigentlich Hügeln. Die Felder sind hier sehr fruchtbar und die Wiesen voll Blumen... [1]
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Das verwilderte Rittergut Kosemitz im Jahr 2000 (Foto: Brigitte Bruschke). Zum Vergrößern anklicken.
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Der Name "Kosemitz" kommt von "Koza", wie die Ziege auf polnisch heißt. Kosemitz war ein Gut, das ganz früher durch seine Ziegenzucht bekannt war. "Kosm" bedeutet in der wendischen Sprache auch der Pelz, was darauf hindeutet, dass in Kosemitz auch Kürschner und Gerber lebten, die aus den Ziegenfellen Kleidungsstücke fertigten. Ziegenzucht wurde in Schlesien einmal im gleichen Umfang betrieben, wie im 13. Jahrhundert die Schafzucht. Sie war die Hauptquelle des Wohlstandes der aus Westdeutschland nach Schlesien eingewanderten Bauern. [2] |
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Polnisches Ortsschild von Kosemitz im Jahr 2000. (Foto: Brigitte Bruschke). Zum Vergrößern anklicken.
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Besitzer von Kosemitz 1873
Laut dem "Adressbuch des Grundbesitzes in der Provinz Schlesien" befand sich das Gut oder "Dominium" Kosemitz 1873 im Besitz der Adelsfamilie von Köckritz. Als Besitzer ist Major Friedrich von Köckritz eingetragen. Kosemitz bestand damals aus 710 Morgen Acker, 33 Morgen Wiesen, 120 Morgen Wald und 5 Morgen Wasser. Der "Grundsteuer-Reinertrag" betrug 3.277 Thaler. Ein Morgen war die von einem Ochsen an einem Vormittag pflügbare Fläche (etwa meist 25 bis 58 Ar, maximal 122,5 Ar). Als nächst erreichbare Post- oder Eisenbahnstation war Gnadenfrei im Kreis Reichenbach eingetragen.
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Adressbuch des Grundbesitzes in der Provinz Schlesien von 1873
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Besitzer von Kosemitz 1894
Als Besitzer von Kosemitz ist im "Schlesischen Güter-Adressbuch von 1894" der Major außer Dienst Alfred von Köckritz eingetragen. |
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Schlesisches Güter-Adressbuch von 1894
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Post- (P.) Telegraphen- (T.) und Standesamtsbezirk (St): Dirsdorf, 2,5 km entfernt Eisenbahnstation (E.): Neudorf, 3 km entfernt Amtsbezirk (A.): Zülzendorf Amtsgericht (Ag): Nimptsch Grundsteuer-Reinertrag (Grd.st-R.E.): 9.900 Mark |
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Der Chrysopras von Kosemitz
Kosemitz ist nur ein kleines Dorf, wurde aber durch das Vorkommen von Edelsteinen sehr bekannt:
Der Gelehrte Johann Ludwig Conrad Mümler berichtet 1786:
"Man findet hier auch viele Edelsteine, teils auf der Erde zerstreut, teils in der Erde. Diese Edelgesteine sind der Sarder, der Karniol, Sardonir, Chalcedon, Opal und besonders der Chrysopras. Schon vor einigen Jahren ließ der Besitzer dieser Gegend diese Edelgesteine und besonders den Chrysopras mit allen Fleiße aussuchen... Der Chrysopras, den man auch Prasius und Chrysopteron nennt, ist ein durchsichtiger grüner Edelgestein von unregelmäßiger Figur, dessen Härte sich der Härte des Smaragds nähert. [1]
Auch Meyers Konversationslexikon von 1888 nennt den Chrysopras aus Kosemitz:
Chrysopras (grüner Chalcedon), ein durch Nickel grün gefärbter Chalcedon, findet sich derb, in Platten und knolligen Stücken in Schlesien auf den Bergen bei Kosemitz, Gläsendorf, Grochau und Baumgarten unweit Frankenstein in einem aufgelösten, fast erdigen Serpentinfelsen dicht unter der Dammerde. Er soll 1740 von einem preußischen Offizier bei einer Mühle auf den Kosemitzer Bergen zuerst aufgefunden worden sein, ist aber schon früher als Schmuckstein verwendet worden, wie die Steinmosaiken der St. Wenzelskapelle in der Domkirche St. Veit zu Prag beweisen, welche aus dem 14. Jahrhundert herrühren und viele große, prachtvolle Stücke Chrysopras enthalten.
Neuerlich kam dieser Stein besonders durch Friedrich den Grossen wieder in Aufnahme, der Sanssouci damit schmückte. Im königlichen Schloß zu Potsdam befinden sich noch zwei Tische aus jener Zeit mit 94 cm langen, 63 cm breiten und 5 cm dicken Platten von Chrysopras. Obwohl derselbe kein kostbarer Schmuckstein ist, so ist er doch wegen seiner angenehmen, zarten Farben und seines Glanzes beliebt. Er wird vorzugsweise in Schlesien verschliffen und zu Siegelringen, Broschen, Arm- und Gürtelspangen etc. verarbeitet. Bei längerm Liegen an trocknen und warmen Orten und namentlich beim Gebrauch zum Siegeln verliert er seine Farbe zum Teil; doch kann man die verloren gegangene Farbe wiederherstellen, wenn man den erblaßten Stein einige Zeit in feuchte Erde eingegraben oder in befeuchtete Baumwolle eingewickelt liegen läßt, noch leichter aber, wenn man ihn mit einer erwärmten salpetersauren Nickel-Auflösung behandelt. [3]
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Kosemitz liegt südlich von Nimptsch (heute Niemcza).
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Evangelische Kirche in Bad Dirsdorf
Die evangelischen Einwohner von Kosemitz gingen in das nahegelegene Bad Dirsdorf (heute: Przerzeczyn Zdroj) zur Kirche. Hier wurden alle Taufen, Heiraten und Begräbnisse in die Kirchenbücher eingetragen.
Die Bad Dirsdorfer Kirche ist sehr alt. Sie wurde zwischen 1260 und 1280 erbaut. An der Nordseite der Kirche befand sich eine kleine vergitterte Öffnung. Man konnte dort in die alte Gruft der Familie von Netz-Kosemitz hinabschauen, in der fünf große und acht kleine bunt bemalte Särge standen [4]
Von der Kirchenbüchern waren im Jahr 1938 noch erhalten [5]:
Taufen 1651-1937 Heiraten 1651-1937 Begräbnisse 1651-1937 Konfirmationen 1820-1937
Leider sind die Kirchenbücher nach dem Krieg verschwunden und bisher nicht mehr aufgetaucht. Nach dem Bericht eines Zeitzeugen sind die Kirchenunterlagen 1945/46 ganz oder teilweise verbrannt worden.
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Kirche in Bad Dirsdorf im Jahr 2000. (Foto: Brigitte Bruschke). Zum Vergrößern anklicken.
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Quellen
[1] Johann Ludwig Conrad Mümler, Doctor der Arzneygelahrtheit und Landphysicus des Wolfenbüttelschen Districtes: Physikalische und Medicinische Abhandlungen der Königlichen Academie der Wissenschaften in Berlin, Gotha 1786.
[2] Martin Illig: Das Nimptscher Land im Spiegel der Ortsnamen, Nimptsch 1922.
[3] Joseph Meyer: Großes Conversations-Lexikon für die gebildeten Stände (Meyers Konversations-Lexikon), Leipzig 1888.
[4] Kurt Müller: Unsere Heimatkirche, in: Hohe Eule, Heimatblatt für Stadt und Kreis Reichenbach, Nürnberg Januar 1997.
[5] Randt, Erich: Die älteren Personenstandsregister Schlesien, Görlitz 1938.
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